Geschichte der Gemeinde Nack

Die erste urkundlich gesicherte Erwähnung von Nack stammt aus dem Jahre 1304. Im “Zinsbuch des Wildgrafen Friedrich I.“ findet sich die Eintragung, dass die Herren vom Antoniterhaus zu Alzey für ihren Besitz zu Nack “vier Malter und 2 ½ firdelingos“ zu zahlen haben.

Es kann aber vermutet werden, dass  Nack bereits früher entstanden ist: Sein Ursprung wird als sogenannter „Nebenhof“ von der „Urmark Erbes-Büdesheim“ gesehen, die in der Rodungszeit nach 650 auf dem damals  noch stark bewaldeten Höhenrücken  südlich des oberen Wiesbachtals entstanden ist. Man kennt neben Nack noch die drei weiteren Nebenhöfe Aulheim, Rode und Eiche die ebenfalls als Kristallationspunkte von Nebendörfern zu sehen sind. Diese drei kleinen Dörfer sind im 15./16. Jahrhundert untergegangen, zu Wüstungen geworden. Nur in den Flurnamen Eicher Wald, Rieder Tal und den Mühlen Riedmühle und Aulheimer Mühle sind sie noch erhalten geblieben. Für die Katholiken von Nack war der Ort Eiche von Bedeutung, denn im Mittelalter wurden sie von der Pfarrei Eiche betreut.

In einem trapezförmigen Steinbeil, gefunden in der Gemarkung von Nack, ist das älteste Zeugnis menschlicher Spuren zu sehen. Es wird in die Jungsteinzeit (4500 – 1800 vor Chr.) datiert. Aus vorgeschichtlicher Zeit ist sonst nur noch der Rest eines ehemaligen Ringwalls auf dem Ahrenberg bekannt.

Der Name „Nack“ wurde von manchen Forschern vom althochdeutschen Wort „hnac“ (=Scheitel) abgeleitet und kann durchaus als zutreffend für die Lage auf dem felsigen Hochufer des einstigen Tertiärmeeres angesehen werden. Daneben gibt es die Auffassung, dass der Name „Nack“ aus dem auf „Nackheim“ verkürzten „Nackenheim“ entstanden ist. Ursprünglich könnte es zu dem Personenkurzname Nacko gehört haben, also die Bezeichnung für das „Heim des Nackos“. Das Wort „-heim“ ist dann mit der Zeit verfallen, so dass nur der Name „Nack“ übrig blieb.

Bis 1822 hatte Nack keine eigene Gemarkung, sondern gehörte zu Erbes-Büdesheim. Hervorgegangen aus einem Rodungshof ist die weltliche Obrigkeit in engem Zusammenhang mit Erbes-Büdesheim zu sehen. In der Gründungszeit gehörte die Erbes-Büdesheimer Mark mit den Nebendörfern zur Alzeyer Hundertschaft und damit ursprünglich zum Fürstenhaus der Salier. Der Nacker Fronhof ist vermutlich der Antoniterhof zu Nack und dürfte identisch sein mit dem heute noch als solchen bekannten Pfalzhof. Eine Linie aus dem salischen Fürstenhaus ist die Grafschaft Leiningen. Zu einem unbekannten Zeitpunkt vor 1333 gab der Graf von Leinigen die Dörfer Erbes-Büdesheim, Aulheim, Rode und Nack den Rittern von Randeck zu Lehen. Danach ist die Grafschaft Sponheim Lehnsherr des Gottfried von Randeck, der als „gnädiger Junker und Gerichtsherr“ bezeichnet wird. Im 15. Jahrhundert kommen die Dörfer durch Erbschaft an die Grafschaft Veldenz und die Markgrafschaft Baden. Beide setzen ebenfalls die Ritter von Randeck als Lehnsträger weiter ein. Nach dessen Aussterben erscheinen zahlreiche neue Lehnsträger. Ähnlich wie die wirtschaftlichen Verhältnisse des Mittelalters recht kompliziert und vielfältig waren so bietet auch die Ortsherrschaft ein oft verwirrendes und schwer zu durchschauendes Bild. Dazu existiert um 1633 ein Erbes-Büdesheimer Weistum  (schriftliche Fixierung Verträgen, Rechten und Gewohnheiten). Es nennt als Gerichtsherrn den Fürsten Ludwig Philipp, Pfalzgraf bei Rhein, kurfürstlicher Pfalz Vormund und Administrator, Georg Wilhelm, Pfalzgraf bei Rhein (zu Birkenfeld), Georg Friedrich Wilhelm, Markgraf zu Baden, und Junker Gottfahrts Erben zu Worms als Lehensträger.

Zu dieser Zeit gibt es in Nack neben dem Pfalzhof noch den Hunolsteiner Hof, der den Freiherren zu Hunolstein gehörte. Diese residierten in der Wasserburg zu Nieder-Wiesen. Von diesem Hof heißt es, dass er in sich abgeschlossen und abgegrenzt sei und nicht den Dorfherren gehörte. Während in Erbes-Büdesheim 83 Hausstätten gezählt werden, gibt es in Nack nur 12.

Allerdings muss man berücksichtigen dass diese Angabe mitten in die Zeit des 30jährigen Krieges fällt und die Kurpfalz zu einem der Hauptkriegsschauplätze gehörte. Das spanisch-niederländische Heer unter Marquis von Spinola hatte 1620 alles was zwischen Mainz, Worms und Trier liegt eingenommen und im eroberten Gebiet zahlreiche Städte und Dörfer zerstört. Da auch Erbes-Büdesheim zu den reformierten Gemeinden gezählt hat, kam es nun zu einer zwangsweisen Rekatholisierung und die Pfarreien wurden wieder mit katholischen Pfarrern besetzt. Viele Reformierte suchten im Ausland Schutz. Zu dem Elend von Verwüstungen, Brandschatzungen und rücksichtsloser Eintreibungsmethoden kam noch ein weiterer Schrecken hinzu: Die Pest.

Das weitere Kriegsgeschehen mit dem Eintreten des Königs Gustav Adolf von Schweden, dem späteren Rückzug der Schweden durch Rheinhessen und dem Nachrücken der kaiserlich-katholischen Truppen sowie  hinzukommende Krankheiten, Seuchen und Hungersnöte führten dazu, dass in den Dörfern Rheinhessens „alles Leben zum Erliegen kam“. Dies wird höchstwahrscheinlich auch in Erbes-Büdesheim und Nack der Fall gewesen sein, denn während es bis in das Jahr 1637 Aufzeichnungen z. B über Verpachtungen oder Bürgermeisterernennungen gibt, fehlen daraufhin jegliche Nachrichten bis in das Jahr 1648. Von Nack wird berichtet, es sei 1657 ein ruiniertes und verwüstetes Dörflein gewesen, welches der Krieg übel mitgespielt hat.

In den folgenden Jahren des Wiederaufbaus kommt es auch in Nack zur Ansiedlung von Verfolgten oder Flüchtlingen aus den umliegenden Nachbarländern. Ein „Jacob Correel als Churpfaltzischer Hoffmann“ ist um 1660 auf dem Pfalzhof ansässig und wahrscheinlich Hugenotte aus Flandern. Aus dem schweizerischen Graubünden stammen die Engisch’s und der Familienname Deforth ist niederländischer Herkunft.

In den Jahren des Pfälzischen Erbfolgekrieges 1688 – 1697 kam es wiederum zu großen Zerstörungen. Mit dem Einmarsch französischer Truppen begann auch wieder die Einführung katholischer Gottesdienste. So wurde der Sitz der reformierten Pfarrei Erbes-Büdesheim nach Ensheim verlegt und von dort wurden nun Erbes-Büdesheim und Nack betreut. Die Chroniken berichten, der reformierte Pfarrer sei während des Gottesdienstes vor versammelter Gemeinde mit einem Zaunpfahl aus der Kirche gejagt worden.

Erst im Jahre 1822 wird Nack zur selbständigen politischen Gemeinde. Bis dahin ist es weiterhin dem Unteramt Erbes-Büdesheim zugeordnet und untersteht zusammen mit 77 weiteren rheinhessischen Orten dem kurpfälzischen Oberamt Alzey. Aus dem 18. Jahrhundert sind bereits vom Burggrafen von Alzey Schultheißen von Nack namentlich bekannt.

Eine Besonderheit ist die Zeit zwischen 19797 und 1814, denn das linksrheinische Gebiet war ein Teil Frankreichs und damit aus dem Verband des deutschen Reiches ausgeschieden. Während dieser Zeit wurde Nack von Wendelsheim mitverwaltet und der erste Bürgermeister von Nack Nikolaus Honecker nahm gleichzeitig die Stelle des Adjunkten (=Beigeordneter) von Wendelsheim ein.

Nack muss im 18. Jahrhundert eine beträchtliche Zahl von Einwohnern gehabt haben. 1763 hört man von der Existenz eines reformierte Schulhaus in Nack und 1786 wird der katholische Lehrer Adam Lebert in der katholische Schule Nack erwähnt.

Zu dieser Zeit ist der Bergbau nach Quecksilber in der Karlsgrube in vollem Gang. Es wird berichtet dass 41 Bergbaufamilien im Jahr 1774 dabei ihre Beschäftigung fanden. Allerdings konnte man sich in der damaligen Zeit nicht gegen das einströmende Wasser schützen. Trotz der angelegten Pumpwerke kam es zum Wassereinbruch. Heute sind die verlassenen Schächte und Gruben zwar von Gestrüpp überwuchert, aber immer noch zu erkennen.

Auf Grund der Vereinbarungen des Wiener Kongresses kam der gesamte Landkreis Alzey zum Großherzogtum Hessen. Es entstand die neue Provinz „Rheinhessen“. Die territoriale Zersplitterung unserer Region hatte ein Ende gefunden. In Nack zählte man 1834 bereits 536 Einwohner und der Ort ist zu dieser Zeit bekannt geworden durch seine frühe Steinindustrie. 80% der Erwerbstätigen verdienten sich damals ihr Brot in den Nacker Steinbrüchen, deren bläulich-grauer Sandstein weithin verschickt wurde. Neben dem Sandstein wurde Melaphyr oder schwarzer Porphyr abgebaut. Wurde der Sandstein von den dort ansässigen Steinmetzen weiterverarbeitet, fand der Melaphyr im Straßenbau Verwendung als Randsteine, Pflastersteine und Schotter. Die „Nacker Wacken“ wurden mit Pferdegespannen weit in das rheinhessische Land gefahren. Mit wenigen Ausnahmen waren Nacker Arbeiter im Tagelohn beschäftigt. Noch 1934 sind auf einem Foto zahlreiche „Wackebrecher“ und „Wackeklopper“ im unteren „Wackebruch“ von Ferdinand Brück zu sehen .

Ein bedeutsamer Vorgang in jener Zeit war die Auswanderung aus Nack. Von 1832 bis 1909 stellten 67 Bürger ein Gesuch auf Auswanderung und verließen Nack.

1845 wurde bereits ein Gesangverein gegründet und 1891 wurde die Freiwillige Feuerwehr auf Erlaß des Großherzogtums Hessen gegründet.

Mit dem Anfang des 20. Jahrhunderts geht die Errichtung der beiden Nacker Kirchen einher. Das Jahr 1902 ist der Baubeginn für die katholische Kirche in Nack. Die katholische Gemeinde in Nack ist weiterhin Filiale von Erbes-Büdesheim.

Der Bau der evangelischen Kirche geht zurück auf das Jahr 1903. Bis dahin besuchten die Einwohner aus Nack die Gottesdienste in Wendelsheim. Seit 1975 ist die evangelische Kirchengemeinde Nack der  Ev. Pfarrei Nieder-Wiesen zugeordnet.

Seit dem Jahre 1972 bildet die Gemeinde Nack zusammen mit 23 weiteren Orten die Verbandsgemeinde Alzey-Land mit Sitz in Alzey.

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